Anhand ausgewählter Praxisbeispiele lässt sich zeigen, mit welchen Anliegen Menschen in meine Beratung kommen und welche Zielrichtungen sie für ihren Umgang mit Alkohol wählen. Alle Beispiele sind anonymisiert und dienen der Veranschaulichung typischer Fragestellungen.
Fallvignette 1: Ein Klient mittleren Alters kam mit dem Wunsch in die Beratung, seinen Alkoholkonsum zu ordnen, da es zunehmend zu Spannungen in seiner Partnerschaft und zu rechtlichen Problemen gekommen war.
In der gemeinsamen Arbeit entwickelte er ein bewussteres Konsummuster mit festen alkoholfreien Tagen und reduzierten Trinkmengen. Er berichtete, dass sich die Situation in seiner Beziehung im Verlauf spürbar entspannte.
Fallvignette 2:
Eine selbstständige Klientin wandte sich an mich, weil ihr langjährig hoher Alkoholkonsum mit Konzentrationsschwierigkeiten und Erinnerungsproblemen einherging und sich dies auf ihre berufliche Situation auswirkte.
In den Gesprächen erarbeitete sie klare Strukturen für ihren Konsum, inklusive alkoholfreier Tage und geringerer Mengen. Im Verlauf schilderte sie, dass sie sich kognitiv stabiler fühlte und ihre beruflichen Anforderungen wieder besser bewältigen konnte.
Fallvignette 3:
Ein Klient suchte auf Empfehlung seines Hausarztes Beratung, nachdem bei ihm erste gesundheitliche Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit Alkohol festgestellt worden waren.
Gemeinsam formulierten wir ein Ziel, das für ihn gut umsetzbar war: weniger trinken und den Konsum auf bestimmte Anlässe begrenzen. Nach einer Phase der Umsetzung berichtete er von einer Entlastung im Alltag und von positiven Rückmeldungen seiner behandelnden Ärztin.
Fallvignette 4:
Eine Klientin in einer stark belastenden Lebenssituation suchte Unterstützung, weil sich ihr Alkoholkonsum und ihre psychische Verfassung wechselseitig verstärkten.
Im Beratungsprozess zeigte sich, dass ein kontrollierter Konsum für sie nicht geeignet war. Gemeinsam erarbeiteten wir den Schritt in eine stationäre Behandlung, die sie erfolgreich abschloss. Anschließend nutzte sie die regelmäßigen Gespräche zur Stabilisierung ihres abstinenten Lebensstils und berichtete von mehr Sicherheit und Lebenszufriedenheit.
Fallvignette 5:
Eine Klientin mit Kinderwunsch stellte fest, dass ihr Alkoholkonsum bei geselligen Anlässen wiederholt zu Kontrollverlusten und Konflikten in der Partnerschaft führte.
In mehreren Coaching‑Sitzungen setzte sie sich intensiv mit ihrem Konsum und den dahinterliegenden Dynamiken auseinander und entschied sich für ein Leben ohne Alkohol. Sie erlebte ihre Beziehung im Verlauf als stabiler und beschrieb, dass gemeinsame Zukunftspläne wieder konstruktiv möglich wurden.
Fallvignette 6:
Ein Klient aus der Dienstleistungsbranche suchte Hilfe, weil er bei beruflichen Anlässen regelmäßig viel Alkohol trank und dies mit weiterem Substanzkonsum, gesundheitlichen Problemen und finanziellen Belastungen verknüpft war.
In einem längerfristigen Beratungsprozess stand zunächst die Begrenzung des Alkoholkonsums im Fokus, um mehr Selbststeuerung zu gewinnen. Er berichtete, dass sich dadurch sein Konsumverhalten insgesamt verringerte, berufliche Stabilität zunahm und er Schritt für Schritt seine finanzielle Situation ordnen konnte.
Fallvignette 7:
Ein junger Klient in einer partnerschaftlichen Beziehung wandte sich an mich, weil sein hoher Alkoholkonsum bereits zu rechtlichen Auseinandersetzungen geführt hatte und er seine berufliche Entwicklung gefährdet sah.
In mehreren Sitzungen entwickelte er ein neues Konsummuster mit weniger Trinktagen und geringerer Menge sowie dem Verzicht auf harte alkoholische Getränke. Er schilderte, dass er dadurch ruhiger agieren konnte, keine weiteren Eskalationen erlebte und sich besser auf seine beruflichen Ziele konzentrieren konnte.
Fallvignette 8:
Ein Klient mit familiärer Verantwortung suchte nach einem einschneidenden Vorfall im Zusammenhang mit Alkohol Unterstützung, um sein Verhalten grundlegend zu überdenken.
In einem strukturierten Beratungsprozess arbeitete er daran, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, seinen Konsum deutlich zu reduzieren und neue Strategien im Umgang mit Schuld, Scham und Selbstkontrolle zu entwickeln. Er berichtete, dass er heute an weniger Tagen trinkt, sich ein stabileres soziales Umfeld aufgebaut hat und wieder Perspektiven für sein Leben sehen kann.
Fallvignette 9:
Eine Kanzleiinhaberin nahm meine Unterstützung in Anspruch, weil das Verhalten eines langjährigen Mitarbeiters im Zusammenhang mit Alkohol Anlass zur Sorge gab.
In mehreren Coachings für die Führungskraft ging es darum, das Thema klar und wertschätzend anzusprechen, betriebliche Möglichkeiten zu klären und verbindliche Schritte zu vereinbaren. Auf dieser Basis wurden interne Regelungen getroffen und externe Beratung einbezogen. Die Zusammenarbeit konnte fortgesetzt werden und es kam im weiteren Verlauf zu keinen gravierenden Auffälligkeiten mehr.
Fallvignette 10:
Ein größerer Konzern wandte sich mit dem Ziel an mich, innerbetriebliche Strukturen zur Prävention von Alkoholproblemen zu stärken.
In mehreren Gruppensitzungen mit Mitarbeitenden einer psychosozialen Fachabteilung wurden Kenntnisse zu Alkohol, Gesprächsführung und Prozessen der Weitervermittlung erarbeitet.
Daraus entstand ein internes Konzept zur Suchtprävention, das im Unternehmen eingeführt wurde und Mitarbeitenden einen niedrigschwelligen Zugang zu Unterstützung eröffnet.
Fallvignette 11:
Eine internationale Unternehmensgruppe vermittelt regelmäßig Mitarbeitende in meine Beratung, wenn problematischer Alkoholkonsum im Arbeitskontext sichtbar wird.
Je nach individueller Situation kommen unterschiedliche Ansätze zum Einsatz – vom kontrollierten Trinken bis hin zur Empfehlung einer medizinischen oder stationären Behandlung.
In vielen Fällen berichten die Mitarbeitenden im Verlauf von einer deutlichen Entlastung, stabilerer Arbeitsfähigkeit und einer konstruktiveren Zusammenarbeit mit dem Unternehmen.
Eine berufstätige Klientin suchte Unterstützung, weil sie sich zunehmend Sorgen um den Alkoholkonsum ihres Partners machte. Er trank nach Feierabend nahezu täglich und beschrieb Alkohol als wichtiges Mittel, um beruflichen Druck auszugleichen.
Die Klientin hatte mehrfach versucht, das Thema anzusprechen und eine Reduktion anzuregen – aus Sorge um seine Gesundheit und das gemeinsame Zusammenleben. Häufig führten diese Gespräche jedoch zu Streit oder Rückzug, sodass sie das Thema schließlich vermied, um die Beziehung nicht weiter zu belasten. Gleichzeitig litt sie darunter, ihre Ängste und Beobachtungen, etwa versteckte Flaschen, nicht offen ansprechen zu können.
In den Beratungssitzungen nutzte sie den geschützten Rahmen, um ihre Sorgen, ihren inneren Konflikt zwischen Fürsorge und Abgrenzung sowie ihre eigenen Belastungsgrenzen zu reflektieren. Gemeinsam erarbeiteten wir Möglichkeiten, ihre Bedürfnisse klarer zu formulieren, wertschätzend mit ihrem Partner ins Gespräch zu kommen und sich selbst durch Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld zu entlasten.
Nach einigen Terminen berichtete sie, dass ihr ein ruhigerer, zugewandter Austausch mit ihrem Partner besser gelang. Er zeigte mehr Verständnis für ihre Sichtweise und signalisierte Bereitschaft, sich mit seinem Alkoholkonsum auseinanderzusetzen. Die Klientin erlebte die Situation als weniger angespannt und konnte ihre Fürsorge zeigen, ohne ihre eigenen Grenzen aus dem Blick zu verlieren.
Ein Klient suchte Beratung, weil er sich große Sorgen um einen langjährigen Freund machte, der sich nach einer Trennung in einer belastenden Lebensphase befand und vermehrt Alkohol konsumierte. Bei gemeinsamen Treffen wirkte der Freund häufig bereits angeheitert und sprach ausführlich über seine Trinkgewohnheiten, was beim Klienten die Sorge weckte, dass sich ein problematischer Umgang mit Alkohol entwickeln könnte.
Im geschützten Rahmen der Angehörigenberatung ging es zunächst darum, die Beobachtungen und Gefühle des Klienten zu sortieren und mögliche Gesprächswege mit dem Freund zu entwickeln. Gemeinsam wurden Formulierungen erarbeitet, die Verständnis, Respekt und Offenheit ausdrücken und gleichzeitig die eigene Sorge deutlich, aber nicht vorwurfsvoll benennen.
Der Klient berichtete, dass erste Klärungsversuche zunächst auf Abwehr stießen und der Kontakt zeitweise belastet war. In weiteren Sitzungen stand deshalb im Vordergrund, wie er den Kontakt stabil halten, Grenzen wahren und dennoch ein Unterstützungsangebot formulieren kann.
Schließlich gelang es ihm, ein erneutes Gespräch zu führen, in dem der Freund die Möglichkeit professioneller Unterstützung aufgriff und bereit war, sich damit auseinanderzusetzen. Die Beratung zeigte, wie anspruchsvoll Gespräche mit nahestehenden Personen in Krisen sein können – und wie hilfreich es ist, sich dafür gezielt Strategien und Rückhalt zu holen.